Analytische Psychotherapie

Analytische Psychotherapie hilft, wenn die Störungen, Beschwerden und Krankheitssymptome in einer umfassenden Weise an innerseelische Konfliktkonstellationen geknüpft sind. Analytische Psychotherapie wird z.B. dann eingesetzt, wenn Konflikte fest in der Persönlichkeitsstruktur des Patienten verwurzelt sind, oder wenn es sich um eine besonders schwer wiegende oder ausgeprägt chronifizierte Störung handelt. Gelegentlich muss analytische Psychotherapie auch eingesetzt werden, wenn Patienten zu der intensiven, zielstrebigen und entschlossenen Mitarbeit nicht in der Lage sind, die in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie nötig ist. Das kann zum Beispiel bei Patientinnen oder Patienten der Fall sein, die so genannten "seelischen Traumatisierungen" ausgesetzt waren.

Analytische Psychotherapie strebt eine umfassendere Bearbeitung innerseelischer Konflikte an. Daher wird in der analytischen Psychotherapie auch nicht von Anfang an auf eine bestimmte Themenstellung fokussiert, sondern die Patientin/der Patient wird lediglich mit der Aufforderung konfrontiert, so freimütig wie irgend möglich über alles zu sprechen, was sie oder ihn innerlich beschäftigt. Aus diesen so genannten "freien Assoziationen" entwickelt sich dann eine Abfolge von Themenstellungen, die mit der Zeit immer näher an die entscheidenden inneren Konflikte heranführen. Dieser Prozess des allmählichen sich-heran-Tastens an die "brenzligen" inneren Konfliktherde wird auch als "Regression" bezeichnet. Dieser Prozess ist für Patienten manchmal anstrengend, da sie sich hierbei mit ihren inneren Ängsten, Schamgefühlen oder unangenehmen Affekten wie Wut oder Neid auseinander setzen müssen.

Analytische Psychotherapie findet typischerweise mehrfach in der Woche statt. In der Regel sind mindestens zwei Sitzungen in der Woche, häufig jedoch drei Sitzungen in der Woche erforderlich. In Ausnahmefällen kann es eine Zeit lang sogar notwendig sein, mehr als drei Sitzungen in der Woche durchzuführen. Auch hier finden die Sitzungen regelmäßig, zu mit dem Therapeuten fest vereinbarten Terminen statt. Vor einer analytischen Psychotherapie stehen üblicherweise einige diagnostische Gespräche, in denen es neben der notwendigen Diagnostik um die Frage geht, ob die Patientin bzw. der Patient zu der spezifischen Arbeitsweise in der analytischen Psychotherapie fähig ist.

Diese Arbeitsweise ist vor allem durch die Benutzung der Couch gekennzeichnet. Das heißt, in der analytischen Psychotherapie liegt die Patientin bzw. der Patient typischerweise auf einer Couch oder Liege, während der Psychotherapeut, der Analytiker, ein wenig außerhalb des Gesichtsfelds des Patienten sitzt. Diese ungewöhnliche Gesprächsanordnung erfüllt einen doppelten Zweck: zum einen ermöglicht sie dem Patienten eine relativ gute Entspannung. In dieser entspannten Körperhaltung gelingt es vielen Patienten leichter, auch über Angst erfüllte oder Scham behaftete Themen zu sprechen. Zum anderen erleben es viele Patienten auch als erleichternd, wenn sie nicht immer wieder – und das geschieht ja meist ganz automatisch – am Gesicht des Therapeuten ablesen können, wie dieser ihre Äußerungen aufnimmt und bewertet. Für diese Patienten ist das Liegen auf der Couch häufig mit einem Gefühl der Befreiung verbunden.

Analytische Psychotherapie unterscheidet sich von der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie dadurch, dass der Therapeut insgesamt weniger aktiv, also zurückhaltender ist. Diese Zurückhaltung bedeutet, dass der Therapeut in der analytischen Psychotherapie häufig über längere Zeit eine mehr "beobachtende" Rolle einnimmt. Häufig äußert er sich erst, wenn er über eine gewisse Zeit hinweg genug Beobachtungen gesammelt hat, um diese dem Patienten in einer zusammenfassenden Weise zu präsentieren. Diese Beobachtungen können sich auf Erlebnisse beziehen, von denen der Patient berichtet hat, auf Träume oder Phantasien, an die er sich erinnert, oder auf die Umgehensweise miteinander in den Behandlungssitzungen.

Die Beobachtungen, die der Therapeut mitteilt, haben manchmal mehr hinweisenden Charakter ("demonstrierende" Interventionen) und manchmal zielen sie mehr darauf ab, bisher nicht erkannte Zusammenhänge zu verdeutlichen ("deutende" Interventionen). Dabei ist das Ziel des Psychoanalytikers, mit der Patientin bzw. dem Patienten die tiefsten und innersten Vorstellungen und Grundannahmen zu erforschen, die die Lebenseinstellung und die Persönlichkeitsstruktur eines Patienten oder einer Patientin bestimmen. Häufig handelt es sich dabei um sehr negativ getönte Grundannahmen, z. B.: "Was auch immer ich tue, niemand wird mich je um meiner selbst willen lieben." Solche sehr negativ getönte Grundannahmen können Ursache von tiefer Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung oder auch von ständiger Selbstüberforderung sein. In der analytischen Psychotherapie geht es darum, solche negativ getönte Grundannahmen zu erkennen und zu verändern. Dies gelingt häufig nur dadurch, dass diese Grundannahmen auch in der Beziehung zum Analytiker zum Tragen kommen. Das ist oftmals für die Patientin bzw. den Patienten nicht leicht, da dann auch gegenüber dem Analytiker unter Umständen Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Selbstüberforderung und andere belastende Gefühle erlebt werden. Allerdings bietet dieses intensive nochmalige Erleben der eigenen inneren Nöte – Analytiker sprechen in diesem Zusammenhang auch von "Übertragungsneurose" – eine einzigartige Möglichkeit, sich dauerhaft von der Wirkung solcher Grundannahmen zu befreien.

Analytische Psychotherapie erfordert wegen der Intensität des Behandlungsprozesses insgesamt eine höhere Stundenzahl. Typischerweise werden für eine analytische Psychotherapie 160 bis 240 Behandlungsstunden notwendig sein.