Gruppenpsychotherapie

Gruppenpsychotherapie ist die Synthese von Gruppendynamik, psychoanalytischem Vorgehen und Sozialwissenschaft.

Gruppenpsychotherapie stellt die Beziehung von seelischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, von innerseelischen und interpersonellen Prozessen ins Zentrum.

Gruppenpsychotherapie ist ein differenziertes therapeutisches Instrument mit vielfältigen klinischen und theoretischen Konzepten und Modellen.

In therapeutischen Gruppen werden Erscheinungsformen seelischer und sozialer, innerseelischer und interpersoneller Verhältnisse untersucht und therapeutisch nutzbar gemacht.

Das Setting der Mehr-Personen-Beziehung als Übertragungsfeld, als Feld für das Wiedererleben vergangener Beziehungserfahrungen und als Raum der Gestaltung neuer sozialer Beziehungen bietet eine Fülle von Möglichkeiten des Erfahrens, des Erkennens und der Veränderung.

Analytische orientierte Gruppenpsychotherapie

In der analytisch orientierten Gruppenpsychotherapie werden Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse bearbeitet. Sie betreffen den Therapeuten, die Gruppe als Ganzes, Untergruppen, einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer, psychosoziale Konfliktmuster und die dazugehörigen psychosozialen Kompromissbildungen. Regression wird bis zu einer mittleren Regressionstiefe gefördert, so dass die aus basalen, frühen Erfahrungen stammenden Anteile der Beziehungen manifest werden und direkt bearbeitet werden können. Gruppenspezifische Abwehrformen, die sich als Widerstände in Gruppennormen und in psychosozialen Kompromißbildungen zeigen, werden angesprochen, geklärt und gedeutet.

Die abgeleiteten Konflikte und psychosozialen Kompromißbildungen stellen sich ähnlich wie im Alltag der Teilnehmerinnen und Teilnehmer dar. In der Ausbildung eignet sich das Verfahren vorzugsweise für Gruppentherapeutinnen und Gruppentherapeuten, die eine psychoanalytische oder tiefenpsychologische Ausbildung begonnen oder abgeschlossen haben und denen der Umgang mit Regression vertraut ist. Als Therapeiverfahren eignet sich die Methode zur Behandlung von Symptomen, psychosomatischen Störungen und Persönlichkeitsstörungen bei Patientinnen und Patienten, die wenig strukturelle Defizite aufweisen, die also über eine reichhaltigere innere Welt verfügen. Es erleichtert aber auch das Verständnis von regressiven Gruppenprozessen im außertherapeutischen sozialen Feld. Das Verfahren ist tiefenpsychologisch fundiert im Sinne der Kassenrichtlinien.

Psychoanalytisch-interaktionelle Gruppenpsychotherapie

Die psychoanalytisch-interaktionelle Methode wurde für Patientinnen und Patienten mit so genannten strukturellen Störungen entwickelt. Dies sind beispielsweise Patienten, die in der Kinderzeit schwer wiegende Vernachlässigung oder Gewalt und Mißbrauch erleben mussten. Zu diesen Störungen gehören schwere narzißtische und Borderline-Persönlichkeitsstörungen, präpsychotische Störungen, manche psychosomatische Erkrankungen sowie Abhängigkeits- und Suchterkrankungen. Das therapeutische Vorgehen konzentriert sich hier auf normative Regulierungen in der Gruppe und auf die Inszenierung von Übertragungen, in denen sich die strukturelle Psychopathologie direkt abbildet.

Psychopathologie und vorbewusste Gruppenprozesse werden zwar psychoanalytisch gesehen und verstanden, die therapeutischen Interventionen sind jedoch am Prinzip emotional authentischen Antwortens orientiert. Das Verfahren ist ebenfalls tiefenpsychologisch fundiert im Sinne der Kassenrichtlinien.