Tiefenpsychologische Therapie

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wird immer dann eingesetzt, wenn Störungen behandelt werden sollen, die in den inneren Konflikten der Patientin bzw. des Patienten verwurzelt sind, die aber gleichzeitig in einer spezifischen und für den Therapeuten klar erkennbaren Weise an aktuelle Umstände geknüpft sind, die diese Störungen und Symptome aktualisieren. In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie geht es also nicht darum, einen inneren Konflikt – Psychoanalytiker sprechen in diesem Zusammenhang auch vom "neurotischen Konflikt" – in seiner Gänze zu bearbeiten, sondern nur soweit, wie dieser Konflikt aktuell zu Beschwerden, Krankheitserscheinungen und Symptomen führt.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist daher immer eine "fokussierte", auf einen Brennpunkt konzentrierte Therapie, eine Behandlung, in der es von Anfang an um bestimmte Themenstellungen geht, während andere Themen, die zwar vielleicht auch mit Konflikten verbunden sind, die gegenwärtig aber nicht zu Beschwerden und Symptomen führen, außen vor bleiben. Dieser so genannten "Konzentration des Behandlungsprozesses" entspricht es natürlich auch, dass die Zeitdauer für eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie von Anfang an begrenzt sein muss. In manchen Fällen kann eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie als so genannte "Kurzzeittherapie" mit 25 Sitzungen durchgeführt werden, im Normalfall sind jedoch für eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie 50 bis 80 Sitzungen notwendig. Insgesamt ist es sicherlich so, dass tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie von der Patientin oder dem Patienten eine Fähigkeit zur aktiven, entschlossenen und zielstrebigen Mitarbeit verlangt. Die meisten Patienten sind allerdings zu dieser Mitarbeit fähig und bereit.

Die Therapiesitzungen finden bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie typischerweise einmal in der Woche statt, in der Regel zu einem feststehenden, mit dem Therapeuten vereinbarten Termin. Am Anfang einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie stehen üblicherweise einige diagnostische Gespräche, in denen dann auch der Behandlungsfokus festgelegt wird. Ein solcher Behandlungsfokus kann beispielsweise darin bestehen, den Zusammenhang zwischen körperlichen Beschwerden (z. B. Bauchschmerzen) und Beziehungsschwierigkeiten (z. B. in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz) zu untersuchen und für die Beziehungsschwierigkeiten neue und bessere Lösungen zu finden.

In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie geht es also um Symptome, Krankheitserscheinungen und Beschwerden, die an aktuelle auslösende Umstände geknüpft sind. Deshalb dreht sich das Gespräch in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie typischerweise auch viel um die gegenwärtigen Beziehungen. In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wird also keineswegs nur über Vergangenheit geredet. Mein Hauptaugenmerk als Therapeut liegt vielmehr darauf, mit der Patientin oder dem Patienten zu erarbeiten, wie die bisherige Lebenserfahrung, wie Wünsche und Befürchtungen in Kontakt zu anderen das eigene Verhalten und Erleben und das eigene Selbstbild beeinflussen und prägen. Dabei achte ich darauf, wie sich die bisherigen Lebenserfahrungen des Patienten und seine möglicherweise vorhandenen Ängste und Schwierigkeiten im Kontakt auch in der Beziehung zum Therapeuten widerspiegeln. Die Beziehung zum Therapeuten funktioniert dann sozusagen als "Beispiel" für andere Beziehungen, und häufig kommt es dazu, dass Schwierigkeiten, die mit anderen Menschen bestehen, auch im Kontakt zum Therapeuten auftauchen. Das ist aber gar nicht schädlich, denn so können Schwierigkeiten ja viel besser bearbeitet werden, als wenn man nur theoretisch darüber spricht, was anderswo passiert.

Zu den hauptsächlichen Interventionsformen des Therapeuten in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie zählt es, den Patienten bzw. die Patienten darin zu unterstützen, sich selbst besser wahrzunehmen. Dazu gehört vor allem die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und Affekte besser wahrzunehmen, zu erkennen und ernst zu nehmen.